Lehre

"Der Essay: Geschichte, Form und Wirkung" I + II

Proseminar (Erweiterungsmodul), Schlüsselkompetenz, Studiumplus im Sommersemester 2010 und im Wintersemester 2010/2011

 

Kommentar:

 

In seinem bekannten Beitrag mit dem Titel „Der Essay als Form“ versinnbildlicht Theodor W. Adorno den Anspruch auf Komplexität und Differenziertheit, der das essayistische Schreiben vor den gängigen wissenschaftlichen Methoden auszeichne, mit folgendem Vergleich: „Die Naivität des Studenten, dem das Schwierige und Formidable gerade gut genug dünkt, ist weiser als die erwachsene Pedanterie, die mit drohendem Finger den Gedanken ermahnt, er solle das Einfache kapieren, ehe er an jenes Komplexe sich wage, das doch allein ihn reizt. Solche Vertagung der Erkenntnis verhindert sie bloß“. Trotzdem – oder gerade deshalb –  ist der Essay eines der meist umstrittenen Genres in der Literaturwissenschaft. Die sich aus seiner polarisierenden Wirkung ergebende Spannung einerseits, die Vielzahl und Diversität sowohl der EssayistInnen als auch der Essays andererseits, macht ihn zu einem ebenso interessanten wie ergiebigen Untersuchungs-gegenstand.

Im Rahmen des Seminars soll deshalb 1. die Geschichte des Essays nachvollzogen, 2. die Diversität seiner Form ergründet, 3. die Diskussion um seine literaturwissenschaftliche Einordnung und Bewertung nachvollzogen und 4. die Lektüre, Analyse und Interpretation ausgewählter essayistischer Werke diverser EssayistInnen aus verschiedenen Epochen vorgenommen werden.

Indem die Möglichkeit geboten wird, anstelle einer Hausarbeit einen Essay anzufertigen, wird sich das Seminar nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch mit dem Genre befassen.  

Wie schreibe ich einen "wissenschaftlichen Essay"? Modell zur Konzeption eines individuellen Leitfadens
Modell Essay Sabine Volk.pdf
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"Engagierte Literatur nach Auschwitz: Der Lyriker Paul Celan und der Essayist Jean Améry" (zusammen mit Beatrice Rabaglia, M.A.)

Proseminar (Erweiterungsmodul) im Wintersemester 2009/2010

 

Die Schriftsteller Paul Celan und Jean Améry wurden durch ihr Schreiben über die Shoah bekannt. Während Celans Dichtung weltberühmt ist und sein Werk international erforscht wird, beschäftigt sich die Wissenschaft erst seit wenigen Jahren intensiv mit der Essayistik Amérys. In der Kontrastierung der beiden Autoren lassen sich ebenso viele Gemeinsamkeiten wie Gegensätze finden. Diese gilt es im Rahmen des Seminars in Hinblick auf die Biografie und die literarischen Werke der Schriftsteller herauszuarbeiten, wobei ein besonderer Fokus auf dem Spannungsverhältnis zwischen Dichtung und Prosa einerseits und dem verbindenden Element des „engagierten Schreibens“ in Amérys und Celans Schriften andererseits liegen wird.

 

 

 

 

"Ist das lyrische Vorhaben ein glückliches, dann arbeiten Gefühl und Verstand völlig im Einklang. Sie rufen sich fröhlich zu: Entscheide du!"

(Bertolt Brecht: Über Lyrik)