TRILOGIE

I.

 

„Mater floralis“

 

Ihre Augen lachen Weisheit,

Geborgenheit verspricht ihr Haar.

Ihr Mund zeigt Mut und Lebensfreude –

Der Geist ist offen, wandelbar.

 

In der Erde gräbt sie Schätze.

Wurzelkraft und Fruchtbarkeit.

Zerschlagen wühlt die Hand nach Leben,

Trägt Steine der Vergangenheit.

 

Stolz reckt die wilde Blume ihr

Im Wind das Haupt entgegen.

In ihrem Blick da findet sie

Trost, Zuversicht und Segen.

 

- Sabine Volk -

 

 

Das Gedicht wurde in der Anthologie-Buchausgabe

der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte,

"Ausgewählte Werke XI" (2008)

veröffentlicht.

 

Medien-Echo:

http://gedichte-bibliothek.de/media/content/Preistraeger/Medien_Wettbewerb2008/BoehmendashVolk.pdf

II.

 

Schneeglöckchen im Winterschlaf

Du harrst der kurzen Tage
und langen Nächte
in der Erde liegend
gepanzert
gegen die Stürme des Herbstes
die Kälte des Winters
und die Gifte
der Abwasser.

Wirst du es schaffen
dein Köpfchen
zwischen allem Schutt
und all der Asche
der unaufhörlichen
Zerstörung zum Trotze
emporzuheben?

Eingebettet in Mutter Erde
harrst Du schlafend
der Kälte des Lebens
in Erwartung eines besseren
und trägst dabei
zart und ritterlich  
den Frühling
im Herzen.

- Sabine Volk -

III.

 

Ode an mein Land

oder

Zur Zukunft der Vergangenheit

 

Mein Heimatland,

mein Deutschland,

du,

wo meine Wiege stand –

und steht.

Wo hinterm Berg die Sonn‘ aufgeht,

fing alles an.

Mit ihm.

Mit mir.

 

Blühende Wiesen

lachen mich an.

Lassen erinnern das Lachen

der Mädchen,

die ihm einst Blümchen reichten,

gleich nach dem beichten,

im Dirndelgewand.

 

Die Kälte des Schattens,

den sein Hausberg wirft,

macht, dass die Erinnerung

zur Fratze gefriert.

 

Lässt mich gebrochen wandern.

Lässt mich nicht vergessen,

das Entrechten,

das Entmenschen,

das Vergasen

meiner Menschenbrüder

und Schwestern.

Im Namen aller Deutschen.

 

Heut‘ weht ein Freudenmeer

aus schwarz-rot-goldenen Fahnen

im Wind von gestern.

Wir haben gewonnen.

Wieder einmal

geht ein Sieg

an den Meister

aus Deutschland.

 

- Sabine Volk -

 

 

Das Gedicht wurde in der Anthologie-Buchausgabe

der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte,

"Ausgewählte Werke XIV" (2011)

veröffentlicht.

 

"Ist das lyrische Vorhaben ein glückliches, dann arbeiten Gefühl und Verstand völlig im Einklang. Sie rufen sich fröhlich zu: Entscheide du!"

(Bertolt Brecht: Über Lyrik)